Stadt, Land, Zwischenräume

WO werden wir in Zukunft WIE leben? In Megastädten mit kilometerhohen Skyscrapern? Auf dem flachen Land in Selbstversorgerkommunen? In Kleinstädten digital vernetzt mit der ganzen Welt? In diesem zweiten Wettbewerbsslot fragen wir nach der Verortung von Menschen in Stadt, Land, Zwischenräumen. Wir betrachten Potentiale, Probleme, Innovationen und individuelle Bedürfnisse in diesem existenziellen Bereich.
Die Annäherungsmöglichkeiten sind vielfältig, ob auf Makro- oder Mikro-Ebene, ob mit technologischem Ausgangspunkt oder architektonischem oder mit Blick auf zutiefst menschliche Wünsche. Wir möchten mit Ihnen über die Räume der Zukunft diskutieren und Sie ermutigen, filmische Visionen zu diesem Thema zu entwickeln.

Die folgend skizzierten Fragestellungen sind als Anregung, nicht aber als einzig möglicher Ansatzpunkt, über „Stadt, Land, Zwischenräume“ nachzudenken, zu verstehen.

Stadt
Von den 7,5 Milliarden Menschen der aktuellen Weltbevölkerung lebt heute bereits mehr als die Hälfte in Städten. 2050, so die Prognosen, wird es knapp 10 Milliarden Menschen auf der Erde geben, davon 70 Prozent Städter. Hinsichtlich der globalen demographischen Verstädterung gilt es nicht nur Konzepte der Stadtplanung, -gestaltung und Wohnformen zu diskutieren, sondern auch darüber nachzudenken, wie mit dem durch den Bevölkerungsanstieg einhergehenden wachsenden Verbrauch von Energie und Ressourcen umzugehen ist. Welche Lösungsansätze könnte es hier zukünftig geben?
Bereits heute erproben Forschungseinrichtungen schadstoffärmere Mobilitätskonzepte, die den Verkehr der kommenden Jahrzehnte revolutionieren könnten. Organische Solarfolien werden in Betonfassaden integriert und machen Gebäude energieautark. Zugleich steht die Weltgemeinschaft vor gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen, wie bspw. der akuten Wohnungsnot. Während in der Bevölkerung das Unbehagen darüber wächst, dass sich „privately owned public spaces“ ausbreiten, öffentliche Dienstleistungen zunehmend privatisiert werden und Effizienz, Produktivität und Ordnung dasjenige zu ersticken drohen, was die Stadt seit je auszeichnet: Soziale Vielfalt, Spontaneität und Freiheit.

Und welche Rolle spielt allgemein die Digitalisierung für die Stadt der Zukunft?
Die Menge, der Detailierungsgrad und die Vernetzung von Daten wachsen rasant und beeinflussen Governance-Prozesse auf allen Ebenen. Städte werden zu hochverdichteten Knotenpunkten: Die Verarbeitung von Echtzeitdaten aus Wirtschaft, Verwaltung oder Umweltforschung kann hier unmittelbar wirksam werden und Regierungshandeln effizienter und transparenter machen, mehr Partizipation ermöglichen und neue Innovationspotenziale erschließen. Zugleich stellt sich die Frage, wer in diese Infrastruktur investiert und wem die Daten gehören, wobei die Kritik an „smarten“ Städten wächst.
Welche Szenarien zeichnen sich auf diesen Gebieten für die Stadt der Zukunft ab? Was bewirken Informationstechnologie, Sensorik und Kybernetik oder das Internet der Dinge für die Stadtentwicklung? Und wer lenkt das Gemeinwesen: der informierte, vernetzte Bürger oder Algorithmen, die sich seiner Kontrolle entziehen?

Land
Auch der ländliche Raum steht vor zahlreichen Herausforderungen, die oft aus dem Blick geraten, obgleich bspw. in Deutschland etwa 90 Prozent der Fläche ländlich geprägt ist. Das Ländliche – das bedeutet heute gemeinhin: Naturraum, Idylle, Brauchtum oder Erholung, aber auch Abwanderung, Bevölkerungsrückgang, fragile Infrastruktur oder Überalterung. Zugleich zeichnet sich ab, dass es die typisch ländliche Region nicht gibt und die Unterschiede im Bereich der Wirtschaftskraft, Alters- und Infrastruktur oder Kultur von Region zu Region enorm sind.
In Deutschland werden 80 Prozent der Fläche für die Lebensmittel- und Rohstoffversorgung land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Fläche beträgt rund 50 Prozent – Tendenz: rückläufig. Auch der Anteil der Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft ist in den letzten Jahrzehnten beträchtlich zurückgegangen, u.a. bedingt durch den Einsatz moderner Technik und computergestützter Prozesse.
Wie greifen technologische Entwicklungen zukünftig im ländlichen Raum? Bereits heute wird in den peruanischen Anden durch innovative Nutzung natürlicher Ressourcen auf den Wassermangel reagiert und Nebelkollektoren zur Wasseraufbereitung eingesetzt. Darüber hinaus: Was ist für die Zukunft denkbar, was wünschenswert?

Zwischenräume
Die Klammer zwischen dem urbanen und städtischen Raum bilden die Zwischenräume, ein oft übersehener Bereich, der in unserem Wettbewerbsaufruf nicht nur als Raum zwischen Stadt und Land, sondern auch innerhalb derselben gedacht ist.
Bereits aktuell werden unterschiedliche Bausteine des zukünftigen ländlichen und urbanen Lebens als Prototypen erprobt. Beispiele sind das autonome Fahrens,  platz- und wassersparendes Urban Farming (Stichwort Aquaponik)[1], die Rückkehr von Fabriken in dem innerstädtischen Raum[2] oder Kühlschränke, die selbstständig Bestelllisten an Läden schicken. Wie könnten diese und ähnliche Entwicklungen die Lebenswelt in 20 Jahren verändern, vor allem, wenn ihr Einsatz nicht mehr singulär, sondern flächendeckend ist? Welche Innovationen werden in 20 Jahren entscheidende Konzepte des urbanen Wandels sein?

Mit unserem Wettbewerb „Stadt, Land, Zwischenräume“ erhoffen wir uns sehr unterschiedliche Einreichungen, die sich, vor allem auch international, diesen ganz unterschiedlichen Ausgangsbedingungen widmen und vielfältige Zukünfte zeichnen. Im Grunde auch als Entgegenwirken zu dem erst kürzlich vom Sozialpsychologen Harald Welzer in der Zeit (15.11.16) bemängelten Verlust des utopischen Denkens.
Wie gestalten wir das urbane und ländliche Zusammenleben in Zukunft? Was ist uns wichtig? Wo und wie wollen wir experimentieren?

 

VORAUSSETZUNGEN: Die Filme sollten mindestens 30 Sekunden und maximal 15 Minuten lang sein und GANZ ENTSCHEIDEND nicht das Hier-und-Jetzt behandeln, sondern eine Zukunftsvision darstellen. Genrebegrenzungen gibt es hierbei keine.

 

 

[1] das mit elektronisch gesteuerten Systemen für Wärme und Wasser kombiniert wird
[2] dank Verbesserung des Lärmschutzes und Reduktion schädlicher Emissionen